Mut zur Lücke

Ein Bekannter von mir ist Steinmetz. Ich glaube nicht, dass er in seinem Leben schon viele Texte geschrieben hat, aber er ist mit allen Wassern gewaschen. Neulich sagte er zu mir: „Ich habe immer einen schwarzen Edding in der Hosentasche. Wenn ich mal eine kleine Macke in einen dunklen Stein haue, bessere ich sie einfach mit dem Stift aus. Merkt kein Schwein.“ Ist das nun Pfusch? Oder eher eine angenehm lockere Einstellung, von der auch Schreibende einiges lernen können?

Ich plädiere bei Schreibprojekten generell für mehr Mut zur Lücke. Für einen „geistigen Edding“, sozusagen. Was meine ich damit? Wir kennen ja alle den inneren Kritiker, der schlimmstenfalls eine Schreibblockade auslösen kann. Selbst wenn wir uns nicht „blockiert“ fühlen, stehen wir uns mit unserem Perfektionismus oft selbst im Weg. Wir legen unsere Projekte viel zu groß an. Wir glauben, wir müssten stundenlang an unseren Texten sitzen. Wir geben keine Ruhe, bis wir nicht auch das kleinste Detail für unser Thema recherchiert haben. Aber ist das wirklich notwendig?

Welcher Schreib- oder Arbeitstyp bist du?

Als Schreibende führen wir ein entspannteres Leben, wenn wir uns gelegentlich überlegen, wie wir unser Pensum reduzieren können. Realistische Ziele sorgen dafür, dass wir unsere Schreibfreude nicht verlieren. Es hilft auch, wenn wir uns bewusst machen, welcher Schreib- oder Arbeitstyp wir eigentlich sind. Planst du gern? Dann liegen dir vermutlich Tools wie Bullet Journals oder Redaktionspläne. Willst du lieber deinen spontanen Einfällen folgen? Dann empfindest du diese Form der Planung vielleicht als einengend und lästig. Liebst du es, frühmorgens am Schreibtisch zu sitzen, wenn alles um dich herum noch still ist? Oder kommst du erst gegen Abend langsam auf Betriebstemperatur? Lege dir deine Schreibzeiten wenn möglich so, dass sie deiner inneren Uhr entsprechen.

Wie kannst du mit minimalem Aufwand schreiben?

Unabhängig vom Typ kannst du bei jedem deiner Schreibvorhaben überlegen, ob und wie du den Aufwand reduzieren kannst. Du hast nicht viel Zeit für deinen Website-Text? Dann lade erstmal eine Kurzversion hoch und ergänze sie irgendwann, wenn du dazu kommst. Die Recherche zu einem bestimmten Aspekt ist zeitraubend? Dann überlege, ob der Text nicht auch ohne diesen Aspekt funktioniert. Es stresst dich, jede Woche einen Newsletter zu verschicken? Dann frage dich, ob deine Leserschaft nicht auch länger darauf warten kann. Du kommst kaum dazu, an deinen Texten weiterzuarbeiten? Dann plane täglich kurze Schreibeinheiten ein. Wenn wir jeden Tag nur 500 Wörter schreiben, kommen wir damit trotzdem in einem halben Jahr auf eine gute Romanlänge! Das ist doch sehr beruhigend.

Probiere aus, welche Arbeitsweise sich für dich möglichst stressfrei und natürlich anfühlt. Hab gelegentlich Mut zur Lücke! Letztlich bist nur du der Maßstab: Nur du weißt, was du ursprünglich schreiben oder tun wolltest. Wenn du dich also entscheidest, hier und da gezielt etwas wegzulassen, merkt das – um meinen Bekannten zu zitieren – „kein Schwein“.

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