Rette die Katze! Schreibrezepte aus Hollywood

Von Drehbuchprofis können wir viel übers Handwerk des Geschichtenerzählens lernen, darum habe ich mir Blake Snyders Klassiker Rette die Katze genauer angeschaut. Kurzweilig und mit praktischen Übungen weiht uns der 2009 verstorbene Drehbuchguru damit in das Geheimnis funktionierender Hollywood-Blockbuster ein. Viele seiner Rezepte können wir auch für andere Textsorten nutzen.

Zum Beispiel die titelgebende „Katzenrettungsszene“: Eine Szene zu Beginn des Films, in der die Heldenfigur etwas macht, das uns zeigt, was sie für ein Mensch ist. Zum Beispiel – ihr ahnt es schon – eine Katze retten. Snyder plädiert dafür, unbedingt eine solche Szene einzubauen, denn das macht die Figur sympathisch.

Hilfreich fand ich seine Tipps zum Thema „Logline“: Wie fasse ich den Kern meiner Geschichte in einem griffigen Einzeiler zusammen? Das ist etwas, das man nicht nur in Hollywood können sollte, und es hilft einem nicht nur dann, wenn man gerade einen wichtigen Pitch des neuen Blockbusters vorbereitet.

Logline, Story-Muster und Heldenfigur

Die Logline des Films Pretty Woman wäre zum Beispiel: „Ein Geschäftsmann verliebt sich in eine Prostituierte, die er fürs Wochenende als Begleitung engagiert.“ Klingt einfach. Aber versuche mal, einen Film oder ein Buch auf diese Weise zusammenzufassen. Puh. Eine gute Logline ist nicht nur eine reine Zusammenfassung, sondern sie braucht Elemente wie Ironie oder packende Bilder. Ob seine Logline funktioniert, testet Snyder, indem er Fremde im Coffee-Shop anquatscht und ihnen die Story erzählt.

Snyder erklärt, dass es nur eine begrenzte Anzahl von Story-Mustern gibt: Zehn Kategorien, in die sich so gut wie jeder Film einordnen lässt. Unabhängig von den klassischen „Genres“ stehen sie für die Naturgesetze, die Geschichten zu guten Geschichten machen. Wir sollten üben, diese Muster zu erkennen und zu wissen, welcher Kategorie unsere Idee am ehesten entspricht.

Der wichtigste Teil unserer Geschichte ist aber der Held oder die Heldin. Das ist die Figur, die wir in unserer Logline klar charakterisieren müssen („ein hasenfüßiger Banker“) – und es muss klar sein, was sie will. Wir müssen einen Charakter erschaffen, der in allen Situationen für den größtmöglichen Konflikt sorgt und ein packendes Ziel hat. Die meisten von uns sollten sich mit dieser Figur identifizieren können: Wir wollen sie auf ihrer Reise begleiten und am Ende siegen sehen.

Plot für Höhlenmenschen

Der Plot sollte elementare Urtriebe wie Überleben, Hunger oder die Angst vor dem Tod ansprechen. Es sollte um den Wunsch nach Rache, den Wunsch zu überleben oder den Wunsch, einen Partner zu finden, gehen: „Im Kern muss der Film von etwas handeln, das auch auf Höhlenmenschenniveau einen Nachhall erzeugt.“

Snyders Vorgehensweise als Hollywood-Drehbuchautor: Er überlegt sich die Heldenfigur, das Story-Muster und die Logline. Erst wenn er die Geschichte verkauft hat, legt er mit dem Schreiben los. Dabei hilft ihm sein Beat Sheet, eine Formel fürs Drehbuchschreiben und quasi das Herzstück des Ratgebers. (Kleiner Tipp: Im Internet findet man etliche Vorlagen zum Download.)

Ein Drehbuch hat demnach immer 110 Seiten und ist in drei Akte unterteilt, wobei der erste Akt 25 Prozent, der zweite Akt 50 Prozent und der dritte Akt 25 Prozent des Manuskripts umfasst. Diese drei Akte zerlegt Snyder in weitere kleinere Einheiten: Beats. Jeden dieser Beats sollten wir in ein bis zwei Sätzen zusammenfassen können. Snyder gibt exakte Seitenzahlen vor, auf denen sich die jeweiligen Beats ereignen müssen. Wir beginnen die Geschichte mit einem „Vorher-Schnappschuss“ und dann passiert der erste Plot Point genau auf Seite 25: Dabei ergreift unsere Heldenfigur die Initiative und lässt ihre alte Welt hinter sich. Mit Elementen wie tickenden „Mini-Zeitbomben“, B-Story, „Spiel und Spaß“-Szenen, einem „düstersten Moment“, einem „Hauch des Todes“ und einem weiteren Plot Point auf Seite 85 bringen wir die Figur zu ihrem finalen Triumph.

Beat Sheet für packende Stories

Mein Fazit: Ich bin sicher, so funktioniert das mit dem Drehbuchschreiben! Synder weiß, wovon er spricht. In Rette die Katze zeigt er uns, wie und warum Hollywood-Blockbuster bei den meisten Menschen funktionieren. Besonders, wer gern plottet, freut sich über ein solches Gerüst, und letztlich bleibt es uns überlassen, wie wir es mit Leben füllen. Dabei kann durchaus Raum für Fantasie und Kreativität bleiben. Es gibt aber viele Schreibende, die bei dieser Vorgehensweise den Raum zum Experimentieren vermissen, denn natürlich ist sie sehr schematisch. Aber auch wer lieber entdeckend schreibt, muss sich irgendwann überlegen, was die Figuren wollen und was passieren muss, damit uns ihre Geschichte fesselt …

Snyders Gerüst zeigt uns die Elemente auf, die Geschichten üblicherweise spannend machen, und gibt uns einen Leitfaden an die Hand, der sich bewährt hat. Es könnte sich also lohnen, das Beat Sheet einfach mal auszuprobieren.

Blake Snyder: Rette die Katze! Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben.
Deutsch von Kerstin Winter
Autorenhaus Verlag 2015
208 Seiten, EUR 19,99
ISBN 978-3-86671-128-0

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