Lebendige Figuren entwickeln

Wie können wir überzeugende Figuren entwickeln? Was hilft uns dabei, fiktive Charaktere lebendig werden zu lassen? Und wie erreichen wir, dass andere sich beim Lesen mit ihnen identifizieren, sie lieben oder hassen? Hier findest du einige Schreibtipps, die du bei der Figurenentwicklung in deinem Roman oder deiner Kurzgeschichte umsetzen kannst.

Scheu dich nicht, Leute zu beobachten

Gehörst du zu denjenigen, die den Kopf voller fiktiver Charaktere haben? Stolperst du in deinem Alltag ständig über schräge Vögel und schrullige Typen? Glückwunsch!

Falls das bei dir nicht so sein sollte: Keine Sorge, das kannst du trainieren. Du könntest damit beginnen, die Menschen in deiner Umgebung genau(er) zu beobachten und über sie nachzudenken. Wenn du das nächste Mal an einem öffentlichen Platz, in einem Café oder in der Straßenbahn bist, schau dich um.

Wer befindet sich noch dort? Wie kleiden sich die Menschen? Wie verhalten und bewegen sie sich? Welche Mimik und Gestik fällt dir auf? Mach es dir zur Gewohnheit, dir solche Beobachtungen nebenbei zu notieren.

Wie tickst du selbst ?

Frage dich auch, wie du selbst tickst – und ob du deinen Figuren Wesenszüge geben möchtest, die dir vertraut sind. Natürlich kannst du dich auch von Personen inspirieren lassen, die du kennst, oder die dir früher begegnet sind.

Oder vielleicht gibt es historische Persönlichkeiten, deren Leben und Verhaltensweisen du genauer erforschen möchtest. Eine gute Inspirationsquelle sind auch Roman- oder Filmfiguren, die du beim Schreiben entsprechend verfremden kannst.

Wenn du einen Film schaust oder ein Buch liest, frage dich: Was macht das Wesen dieser Figur aus? Warum gefällt sie mir (nicht)? Wie wird diese Wirkung erzielt? Welche Elemente davon könnte ich für eigene Figuren übernehmen?

Mach dir ein konkretes Bild

Oft fällt es uns schwer, unsympathische Charaktere zu entwickeln. Ein guter Trick ist, sich eine Liste aller Eigenschaften anzulegen, die man selbst nicht mag. Denke an Situationen, in denen du dich über Mitmenschen geärgert hast. Welche negativen Charakterzüge sind dir dabei aufgefallen?

Schau dir Fotos an

Wenn du noch kein konkretes Bild von einer Figur im Kopf hast, können Fotos helfen. Stöbere in Zeitschriften, alten Fotoalben oder Online-Bildarchiven. Wenn dich ein Foto anspricht, schreibe ein paar Minuten lang etwas dazu. Beschreibe so genau wie möglich, wie die Figur aussieht.

Aber frage dich auch: Was ist das für ein Mensch? Was denkt er gerade? Was hat er erlebt? Oft entsteht aus so einem Bildimpuls eine kleine Geschichte. Wenn du schon eine Figur im Kopf hast, könntest du gezielt nach Fotos suchen, die zu ihr passen. So hast du sie beim Schreiben immer vor Augen.

Lerne das Innenleben kennen

Noch spannender als das Äußere einer Figur ist natürlich ihr Innenleben. Für den Verlauf unserer Geschichte ist es wichtig, welche Ziele die fiktiven Charaktere verfolgen. Was wünschen sie sich, wonach sehnen sie sich, wovor fürchten sie sich?

Wenn wir das wissen, können wir den Figuren auf ihrem Weg durch die Geschichte immer neue Steine in den Weg legen. Die Frage, ob und wie sie diese Hindernisse überwinden, lässt die Lesenden mitfiebern.

Entdecke die Figuren im Schreiben

Für unsere wichtigsten Figuren sollten wir möglichst viele Fragen beantworten können. So finden wir heraus, wie sie so geworden ist, wie sie ist. Die folgende Liste ist ein Anfang – sicher fallen dir noch viele weitere Fragen ein:

  • Wie ist die Figur so geworden, wie sie ist?
  • Wie war ihre Kindheit?
  • Was sind ihre Stärken und Schwächen?
  • Welche Menschen und Dinge sind ihr wichtig?
  • Welche Werte hat sie verinnerlicht?
  • Welche Hobbies und Interessen hat sie?
  • Wie sieht ein typischer Tag in ihrem Leben aus?

Natürlich können wir dazu einen klassischen Figurensteckbrief anlegen. Vielen Schreibenden macht es aber auch Spaß, sich diese Antworten zu „erschreiben“ (selbst wenn diese Texte später nicht unbedingt in der Geschichte verwendet werden).

Nimm dir doch mal eine der Fragen vor und schreibe einfach drauflos. Du kannst über die Figur schreiben, du kannst einen Dialog mit ihr führen, oder du kannst sie selbst auf die Frage antworten lassen.

Im Schreiben entsteht allmählich ein immer klareres Bild: Die Figur wirkt lebendig und nicht wie am Reißbrett konstruiert.

Figuren entwickeln mit Gateless Writing

Viele Teilnehmer:innen nutzen Gateless Writing dazu, ihre Figuren zu entwickeln: Einige schreiben an ihrem Roman weiter, andere lassen sich treiben und kommen auf neue Geschichtenideen. In diesem Interview erzählt die Autorin Sandra Engelbrecht, wie ihr meine virtuellen Schreibsalons dabei helfen, ihren Figuren mehr Tiefe zu verleihen.

Mit der Kombination aus Entspannung, Musik und passenden Schreibimpulsen kommt sie dabei „auf eine eigene Frequenz“, die sie tief in das Leben fiktiver Charaktere eintauchen lässt. In jeder Schreibsession dürfen die Figuren weiter wachsen. Sie werden überzeugend und unverwechselbar – und erwachen allmählich zum Leben!

Klingt verlockend, oder? Wenn du entspannt und wie von selbst lebendige Figuren entwickeln willst, dann melde dich für den nächsten Schreibsalon an. Ein konkretes Schreibprojekt brauchst du dazu nicht.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner