Lebendige Figuren entwickeln – Teil 1

Wie können wir überzeugende Figuren entwickeln? Was hilft uns dabei, fiktive Charaktere lebendig werden zu lassen? Und wie erreichen wir, dass andere sich beim Lesen mit ihnen identifizieren, sie lieben oder hassen? Hier findest du fünf Schreibtipps, die du bei der Figurenentwicklung in deinem Roman oder deiner Kurzgeschichte umsetzen kannst.

I. Scheue dich nicht, Leute zu beobachten

Gehörst du zu denjenigen, die den Kopf voller Figurenideen haben? Stolperst du in deinem Alltag ständig über schräge Vögel und schrullige Typen? Glückwunsch!

Falls das bei dir nicht so sein sollte: Keine Sorge, das kannst du trainieren. Du könntest damit beginnen, die Menschen in deiner Umgebung genau(er) zu beobachten und über sie nachzudenken. Schau dich genau um, wenn du das nächste Mal an einem öffentlichen Platz, in einem Café oder in der Straßenbahn bist:

Wer befindet sich noch dort? Wie kleiden sich die Menschen? Wie verhalten und bewegen sie sich? Welche Mimik und Gestik fällt dir auf? Mach es dir zur Gewohnheit, dir solche Beobachtungen nebenbei zu notieren. Das geht auch unauffällig am Handy.

II. Wie tickst du selbst?

Frage dich, wie du selbst tickst – und ob du deinen Figuren Wesenszüge geben möchtest, die dir vertraut sind. Natürlich kannst du dich auch von Personen inspirieren lassen, die du kennst, oder die dir früher begegnet sind.

Oder vielleicht gibt es historische Persönlichkeiten, deren Leben und Verhaltensweisen du genauer erforschen möchtest. Eine gute Inspirationsquelle sind auch Roman- oder Filmfiguren, die du beim Schreiben entsprechend verfremden kannst.

Wenn du einen Film schaust oder ein Buch liest, frage dich: Was macht das Wesen dieser Figur aus? Warum gefällt sie mir (nicht)? Wie wird diese Wirkung erzielt? Welche Elemente davon könnte ich für eigene Figuren übernehmen?

III. Mach dir ein konkretes Bild

Oft fällt es uns schwer, unsympathische Charaktere zu entwickeln. Ein guter Trick ist, sich eine Liste aller Eigenschaften anzulegen, die man selbst nicht mag. Denke an Situationen, in denen du dich über Mitmenschen geärgert hast. Welche negativen Charakterzüge sind dir dabei aufgefallen?

Wenn du noch kein konkretes Bild von einer Figur im Kopf hast, können Fotos helfen. Stöbere in Zeitschriften, alten Fotoalben oder Online-Bildarchiven. Wenn dich ein Foto anspricht, schreibe ein paar Minuten lang etwas dazu. Beschreibe so genau wie möglich, wie die Figur aussieht.

Frage dich: Was ist das für ein Mensch? Was denkt er gerade? Was hat er erlebt? Oft entsteht aus so einem Bildimpuls eine kleine Geschichte. Wenn du schon eine Figur hast, kannst du gezielt nach Bildern suchen, die sie gut einfangen. So hast du sie beim Schreiben immer vor Augen.

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IV. Lerne das Innenleben kennen

Noch spannender als das Äußere einer Figur ist natürlich ihr Innenleben. Für den Verlauf unserer Geschichte ist es wichtig, welche Ziele die fiktiven Charaktere verfolgen. Was wünschen sie sich, wonach sehnen sie sich, wovor fürchten sie sich?

Wenn wir das wissen, können wir den Figuren auf ihrem Weg durch die Geschichte immer neue Steine in den Weg legen. Die Frage, ob und wie sie diese Hindernisse überwinden, lässt die Lesenden mitfiebern.

V. Entdecke die Figuren im Schreiben

Für unsere wichtigsten Figuren sollten wir möglichst viele Fragen beantworten können. So finden wir heraus, wie sie so geworden ist, wie sie ist:

  • Wie war ihre Kindheit?
  • Was sind ihre Stärken und Schwächen?
  • Welche Menschen und Dinge sind ihr wichtig?
  • Welche Werte hat sie verinnerlicht?
  • Welche Hobbies und Interessen hat sie?
  • Wie sieht ein typischer Tag in ihrem Leben aus?

Natürlich können wir dazu einen klassischen Figurensteckbrief anlegen. Vielen Schreibenden macht es aber mehr Spaß, sich diese Antworten zu „erschreiben“. Selbst wenn diese Texte später nicht unbedingt in der Geschichte verwendet werden, bringen sie uns die Figuren näher.

Nimm dir eine der Fragen vor und schreibe einfach drauflos. Du kannst über die Figur schreiben, du kannst einen Dialog mit ihr führen, oder du kannst sie selbst auf die Frage antworten lassen. Im Schreiben entsteht allmählich ein immer klareres Bild: So wirkt die Figur lebendiger und nicht wie am Reißbrett konstruiert.

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Erstmals veröffentlicht am 21. November 2022. Überarbeitet am 31. Mai 2024.

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