Schreib, wenn es dir jetzt gut tut!

Eine schlimme Woche. Der Terroranschlag hier bei uns in Wien. Fassungslosigkeit. Mitgefühl mit den Betroffenen und Angst vor weiteren Attentaten. Die unmittelbare Nähe des Grauens verstärkt das Gefühl, selbst einfach nur Glück gehabt zu haben. Unzählige Stunden habe ich genau dort in Eissalons und Lokalen verbracht, bin am Schwedenplatz in die U-Bahn gestiegen…

Dazu kommt der neue Lockdown – und natürlich der US-Wahlkrimi. Das alles ausgerechnet im grauen November. Wir scrollen wie hypnotisiert durch unsere Social Media Feeds, hängen vor unseren Bildschirmen. Fürchten uns vor dem Virus und vor dem Klimawandel. Sorgen uns um unsere Demokratie und unsere Existenz. Für die meisten von uns wird das momentan einfach zu viel.

Aber gerade, wenn wir uns ohnmächtig fühlen oder Angst haben, kann Schreiben uns helfen, Dinge zu verarbeiten. Wir kommen besser mit unseren Gedanken und Gefühlen zurecht, gewinnen Klarheit und Distanz. Dieser Effekt wird im therapeutischen Schreiben eingesetzt – wir können ihn aber auch selbst für uns nutzen. Ich koche mir dazu manchmal eine Kanne Tee, setze mich gemütlich mit Decke und Notizbuch aufs Sofa, mache ruhige Musik an und schreibe drauflos.

Dabei kann man sich selbst einen Schreibimpuls überlegen und ein paar Minuten reflektieren:

  • Wer oder was tut mir gut?
  • Was macht mich froh?
  • Was brauche ich jetzt gerade?
  • Was ist mir wirklich wichtig?

Schreib trübe Gedanken einfach weg

Man kann auch ausprobieren, vor dem Schlafengehen die trüben Gedanken wegzuschreiben. Fünf Minuten frei schreiben und sich dann sagen: „Wenn ich mein Notizbuch zuklappe, sind alle Gedanken da drin und stören mich nicht beim Einschlafen!“ Oder die berühmten Morgenseiten: Gleich nach dem Aufstehen, zwischen Schlafen und Wachsein, zehn Minuten lang alles notieren, was einem in den Sinn kommt. Und sich dann bereit fühlen für den Tag. Tränen sind bei solchen Schreibübungen durchaus erlaubt. Wichtig ist aber, dass du dir ein klares (relativ kurzes) Zeitlimit setzt und aufhörst, wenn du spürst, dass dir das Schreiben nicht gut tut.

Schreibend können wir uns auch an ferne Orte zurückträumen und an schöne Erlebnisse erinnern. Indem wir uns dabei bewusst mit positiven Dingen und lustigen Szenen beschäftigen, können wir der tristen Außenwelt etwas entgegensetzen. Wer weiß, vielleicht entsteht aus diesen Erinnerungen irgendwann ein Memoir? Wir können uns auch in eine bessere Zukunft träumen. Uns ausmalen, wie schön es sein wird, wenn wir wieder verreisen werden, Freunde treffen, ins Kino gehen, draußen in der Sonne sitzen. Und diese Zeit wird kommen.

Überrasche jemanden mit einem Brief

Falls du keine Lust hast, nur für dich allein etwas aufzuschreiben, könntest du einem lieben Menschen, den du jetzt nicht treffen kannst, einen Brief schreiben. Erzähle der Person, wie es dir geht, erinnere sie an ein gemeinsames Erlebnis, bedanke dich für etwas… ganz klassisch mit Füller auf schönem Papier. Der Gedanke, anderen eine Freude zu machen, kann uns nämlich auch motivieren und für bessere Laune sorgen.

Vielleicht fühlst du dich aber auch einfach sprachlos und magst erst einmal gar nichts schreiben. So ging es mir: Ich habe nach dem Terroranschlag zwei Tage lang nicht einmal an mein tägliches Wortziel beim NaNoWriMo gedacht. Sobald ich mich aber bewusst dazu aufgerafft habe, habe ich wieder gemerkt, wie viel Trost mir das Schreiben spendet. Wie ich ins Schreiben eintauchen und alles um mich herum vergessen kann.

Probiere aus, was dich gut durch diese Zeit bringt – und pass auf dich auf!

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