Dein Weg zum Journaling

Journaling ist eine der wirksamsten Methoden, um Gedanken zu ordnen, Stress abzubauen und sich selbst besser kennenzulernen. Du brauchst dafür nur ein Notizbuch und ein paar Minuten Zeit. Aber welche Journaling-Methode passt zu dir – und was brauchst du, um motiviert dranzubleiben? Hier erzähle ich dir, wie ich zum Journaling gefunden habe, und gebe dir Tipps zum Einstieg.

Mein Weg zum Journaling: Wie alles begann

Ich erinnere mich noch ziemlich genau. Alles begann mit meinem ersten Tagebuch. Es hatte einen Einband aus blauem Blümchenstoff und ich bekam es zum zehnten Geburtstag. Seine schneeweißen Seiten warteten nur darauf, von mir mit vorpubertären Gedanken gefüllt zu werden. Sicherheit gab mir das kleine Schloss, denn so konnte garantiert niemand mir nachschnüffeln! (Viele Jahre später musste ich es aufbrechen, denn ich hatte den Schlüssel verbummelt …)

Journaling als Ventil: Alltagsfrust verarbeiten

Ich füllte eifrig Seite um Seite. Nicht täglich, aber immer dann, wenn mich etwas beschäftigte. Wenn ich heute wieder darin blättere, wird mir klar: Das waren vor allem negative Dinge!

Ich schrieb über meinen Frust mit der Zahnspange, die verhauene Mathearbeit, den Streit mit meiner besten Freundin oder die unerfüllte Schwärmerei für den Nachbarsjungen.

Dem ersten Blümchentagebuch folgten karierte schwarz-rote Kladden (ich kann mich nicht erinnern, dass es das tolle „punktkariert-Format“ damals schon gab). Ich „personalisierte“ sie jeweils mit anderen Stickern und versteckte sie gut, denn sie hatten keine Schlösser.

Gedanken festhalten und ordnen

Im Studium musste ich dann so viel schreiben, dass ich kein Bedürfnis mehr verspürte, Tagebuch zu führen. Ein Heft reichte damals locker mehrere Jahre lang, denn ich machte darin nur gelegentlich meinem Ärger über unangenehme Profs oder lästige Alltagssituationen Luft.

Meine frühen Tagebücher dienten also vor allem dem Zweck, meine Gedanken festzuhalten und Alltagsprobleme zu verarbeiten. Rückblickend habe ich da wohl einiges an Potenzial verschenkt, denn mittlerweile weiß ich: Journaling kann so viel mehr!

Morgenseiten: Der ideale Einstieg ins Journaling

Nach langer Schreibflaute habe ich das regelmäßige Journaling wiederentdeckt: Vor ein paar Jahren lernte ich in einem Schreibseminar die Morgenseiten kennen. Die Autorin Julia Cameron beschreibt diese Methode in ihrem Klassiker Der Weg des Künstlers: Dabei schreibt man handschriftlich gleich nach dem Aufstehen drei DIN A4-Seiten einfach runter.

So fließt der Bewusstseinsstrom aufs Papier, ohne dass wir über Thema, Stil oder gar Rechtschreibung nachdenken. Und auch wenn ich es nicht immer lange durchhalte, täglich Morgenseiten zu schreiben, werde ich mir dabei jedes Mal klarer über meine Ziele, Träume und Wünsche.

Heute nutze ich Journaling-Techniken nicht mehr nur dafür, meinen Alltagsfrust abzulassen, sondern ich reflektiere damit regelmäßig meinen privaten und beruflichen Weg. Oft schreibe ich einfach frei drauflos, mit einem Zeitlimit von 15 Minuten.

Du hast Lust, das auch zu probieren? Dann schau dir diese beliebten Methoden an: Vielleicht ist eine für dich dabei!

Journaling-Methoden: Welche gibt es?

Freies Schreiben ist ein unkomplizierter Einstieg: Du schreibst einfach drauflos, ohne Thema, ohne Plan, für eine bestimmte Zeit. Ein guter Richtwert sind 10 – 15 Minuten. Was auch immer dir gerade durch den Kopf geht, landet auf dem Papier (so wie bei den Morgenseiten).

Dankbarkeitsjournal: Dabei notierst du dir jeden Abend drei bis fünf Dinge, für die du dankbar bist. Das können auch scheinbar belanglose Sachen sein. Diese Methode hat nachweislich einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden. Und sie ist gut für den Einstieg geeignet, weil sie schnell geht und sich leicht in deinen Alltag integrieren lässt.

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SCHREIBFREUDE KLINGT GUT

Journaling mit Leitfragen: Statt drauflos zu schreiben, nimmst du eine konkrete Frage als Ausgangspunkt. Diese Methode gibt deinem Schreiben eine Richtung, ohne es einzuengen. In diesem Blogbeitrag findest du z. B. ein paar Fragen, mit denen du das vergangene Jahr reflektieren kannst. (Natürlich liefert dir eine schnelle Suche viele weitere schöne Listen mit solchen Journaling-Impulsen.)

Mood Journal: Damit beobachtest du deine Stimmungen über einen längeren Zeitraum. Wann fühlst du dich gut, wann nicht? Was könnte womit zusammenhängen? Das ist weniger „schreiblastig“, aber du kannst dadurch trainieren, besser mit deinen Stimmungen umzugehen.

Bullet Journal: Das ist eine Mischung aus Notizbuch, Kalender und Tagebuch, in dem du deine Termine und Ziele, aber auch Stimmungen und vieles mehr notieren kannst. Oft sind die Inhalte schon vorgestaltet mit Listen und Trackern, die du nutzen kannst. Oder du kannst sie dir selbst kreativ gestalten, dafür gibt es sogar eigene Workshops. (Mir wäre das etwas zu aufwändig … aber Bullet Journals sind wirklich beliebt!).

Art Journal: Dabei kombiniert man das Schreiben mit Zeichnungen, Collagen oder Fotos. Das könnte dir gefallen, wenn du gern gestaltest und visuell arbeitest. (Ich habe leider überhaupt kein Zeichentalent.)

Dann gibt es noch Reise- oder Lesejournals, in denen du Erinnerungsstücke einkleben oder Lieblingszitate und gelesene Bücher festhalten kannst. Oder Traumtagebücher, mit denen du Träume analysieren und dich mit deinem Unterbewusstsein verbinden kannst.

Und das ist nur eine Auswahl dessen, wofür Menschen das Journaling nutzen. Viele dieser Techniken sprechen auch diejenigen an, die sonst gar nicht kreativ oder literarisch schreiben.

Ich entdecke auch in diesem Bereich immer wieder Neues. Vor einiger Zeit habe ich Yoga und Journaling ausprobiert und finde: Auch Bewegung, Schreiben und Entspannung lassen sich wunderbar kombinieren.

So bleibst du dran und findest deinen Weg

Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Man fängt hochmotiviert an, und dann schläft die neue Schreibroutine doch wieder ein. Umso wichtiger finde ich daher, dass man den Weg findet, der für einen passt und der sich leicht in den Alltag integrieren lässt.

Gib dir etwas Zeit und probiere verschiedene Varianten aus. Hier ein paar Ideen, worauf du dabei achten kannst:

  • Liegt mir das freie Schreiben, oder brauche ich gezielte Fragen?
  • Mag ich schön gestaltete Bücher oder Bullet Journals, oder reicht mir ein einfacher Schreibblock?
  • Mit welchem Stift (Füller, Kugelschreiber, Bleistift …) schreibe ich besonders gern?
  • Zu welcher Tageszeit fällt mir das Schreiben leichter (nach dem Aufwachen, vor dem Schlafengehen …)?
  • Gibt es vorhandene Rituale (Morgenkaffee, Mittagspause …) mit denen ich das Schreiben verbinden möchte?

Mach dir keinen Stress, wenn du nicht täglich dazu kommst, oder wenn es an manchen Tagen einfach „nicht so fließt“. Natürlich kann es auch passieren, dass beim Schreiben zwischendurch schwierige Themen hochkommen. Aber: Das Journaling sollte sich für dich grundsätzlich gut anfühlen. Es sollte etwas sein, auf das du dich freust, und das dein Leben bereichert.

Du suchst weitere Anregungen zum Journaling? Dann schau dir meine Beiträge Schreiben zum Jahreswechsel und Schreibimpulse zum neuen Jahr an.

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Hi, ich bin Christine!

Hier blogge ich übers Schreiben. Du suchst kreative Impulse oder Schreibtipps? Dann lies einfach mal in Ruhe rein …

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