Schreibblockade adé

Tolkien hatte sie. Dostojewski hatte sie. Sogar Stephen King hatte sie. Und der schreibt fast jedes Jahr einen dicken Bestseller. Die Rede ist von der berühmten Schreibblockade. Manchmal spricht man auch von Schreibstau, Schreibhemmung oder sogar Schreibangst. Egal, um welche Textsorte es sich handelt, und ob das Schreiben Hobby oder Beruf ist: Die meisten Schreibenden haben diese berühmte „Angst vor dem leeren Blatt“ schon einmal erlebt.

Ich erkenne sie zum Beispiel daran, dass ich plötzlich große Lust bekomme, das Bad zu putzen, statt ein Romankapitel zu überarbeiten. Oder dass ich in den sozialen Medien herumsurfe, um mich vor meinem Newsletter zu drücken. Zum Glück ist meine Schreibunlust meist nach ein paar Stunden wieder vorbei. Bei vielen Studierenden geht die Schreibblockade dagegen so weit, dass sie ihre Abschlussarbeit ewig hinauszögern – oder sogar das Studium abbrechen. Und das, obwohl sie sich für das Fach interessieren und bis dahin erfolgreich ihre Prüfungen absolviert haben.

Finde die Ursache mit einer Schreibreflexion

Eine Schreibblockade kann vor dem Schreiben auftauchen, das heißt, wir fangen gar nicht erst damit an. Sie kann während des Schreibens einsetzen, dann werden wir nicht mit unserem Projekt fertig. Oder sie sucht uns erst heim, wenn der Text fertig ist, dann trauen wir uns nicht, ihn zu veröffentlichen. Wann immer wir uns blockiert fühlen, sollten wir uns fragen, woran das liegen könnte. Das tun wir am besten schreibend! Auch wenn das jetzt paradox klingt, liegt darin vielleicht schon der erste Schritt zur Lösung. Versuche es einfach mal: Setz dich mit einem Stift und deinem Notizbuch hin – vielleicht in ein nettes Café oder raus in die Natur? – und schreibe deine Gedanken zu folgenden Fragen auf:

  • Fällt mir das Schreiben generell schwer? Oder drücke ich mich nur vor diesem Text?
  • Wie stehe ich zu diesem Text und seinem Thema?
  • Was ist meine Motivation, diesen Text zu schreiben?
  • Wovor fürchte ich mich?
  • Wie könnte ich mich mit diesem Text/mit dem Schreiben wohler fühlen?

Mit einer solchen Schreibreflexion kommst du vielleicht darauf, dass es nur dieser spezielle Text ist, der dich langweilt oder stresst. Dann kannst du dir überlegen, ob du ihn wirklich zu diesem Zeitpunkt schreiben musst. Vielleicht brauchst du ihn gar nicht? Wenn du es nicht vermeiden kannst, den Text zu schreiben, können dir kreative Techniken wie Clustering helfen, wieder in den Schreibfluss zu kommen. Im Gateless Writing stimmen wir uns mit einer Entspannungsübung aufs Schreiben ein. Das hilft uns anzukommen und den Alltag auszublenden. Falls du Yoga machst oder meditierst, könntest du mal vor dem Schreiben eine kurze Einheit einlegen und testen, ob sich das positiv auswirkt.

Überliste die Schreibblockade mit kreativen Tricks

Ich setze in meinen Workshops gern Instrumentalmusik als Impuls ein. Du könntest ausprobieren, ob Musik dir dabei hilft, ins Schreiben zu kommen. (Ein paar Tipps dazu findest du in diesem Blogbeitrag). Gute Schreiborte, Schreibzeiten und Schreibgeräte sind weitere Faktoren, über die du nachdenken könntest: An einem inspirierenden Ort, zu einer Tageszeit, die unserer inneren Uhr entspricht, und mit einem schönen Füller fließen unsere Texte oft wie von selbst aufs Papier. Ganz wichtig: Überlege dir eine schöne Belohnung, die winkt, wenn der Text fertig ist. Wenn du merkst, dass du dich mit deinem Schreibprojekt allein fühlst, such dir Schreibbuddys, die dich anfeuern und freundlich an die Deadline erinnern.

Vielleicht klärt sich in deiner Schreibreflexion, dass es dein Perfektionismus ist, der dich hemmt. Aber muss dein Text denn wirklich perfekt sein, wenn du ihn veröffentlichst? Ich passe beispielsweise die Texte auf meiner Website ständig weiter an. Sie sind immer nur eine Momentaufnahme. Und ein Tippfehler ist online auch ruckzuck ausgebessert. In meinen Gateless Writing Schreibsalons lesen wir einander Texte vor, die gerade erst entstanden sind. Uns ist klar, dass sie nicht fertig oder gar perfekt sein können. Ein Neugeborenes hat schließlich auch noch keinen Doktortitel. Sollen wir deshalb unser Baby so lange verstecken, bis es sein Studium absolviert hat? Natürlich nicht.

Also zeigen wir einander unsere Textbabys und feiern sie – und natürlich auch uns selbst. Damit schalten wir unseren Perfektionismus und den inneren Kritiker für eine Weile aus. Für viele Schreibende ist das eine befreiende Erfahrung. Gib dir Zeit, deiner Schreibunlust auf den Grund zu gehen und überliste sie dann spielerisch mit kreativen Techniken!

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