Erfolg mit Gateless Writing

Die Autorin Sandra Engelbrecht hat kürzlich bei einem Schweizer Wettbewerb gewonnen und ist mit ihren Texten sichtbarer geworden. Sie schreibt schon länger mit Gateless Writing und führt ihren Erfolg auch darauf zurück. Im Interview erzählt Sandra, wie sich ihr Schreiben mit dieser Kreativmethode positiv verändert hat, und was ihr daran so gefällt.

Sandra, erzähl uns etwas über deinen Hintergrund.

Als Planerin Marketingkommunikation habe ich über zwanzig Jahre in der Werbung gearbeitet. Ich habe Werbetexte, Mailings, Content für Internetseiten und Marketingkonzepte geschrieben, wusste aber, dass ich Schriftstellerin werden möchte. Vor vier Jahren habe ich dann meinen Mut zusammengefasst, gekündigt und mich selbstständig gemacht. Nebenbei schreibe ich immer noch Werbetexte, möchte aber mehr in die literarische Richtung gehen.

Bald wird es auf meiner Website einen „Geschichtomaten“ geben: Leser:innen können sich bei mir eine auf ihre Bedürfnisse zugeschneiderte Kurzgeschichte oder Poesie bestellen. Auf Wunsch fertige ich eine Collage, passend zur Geschichte, an.

Kürzlich hast du bei einem Schreibwettbewerb gewonnen und vor Publikum gelesen. Was war das für ein Wettbewerb?

Orell Füssli Thalia AG – das größte Schweizer Buchhandlungsunternehmen – hatte den Talentwettbewerb „Open Word“ mit offenem Thema und für alle Genres ausgeschrieben. Die Bedingung war: Fünf Minuten Lesezeit. Aus den Einsendungen wurden die zehn besten Texte ausgewählt. In der Jury saßen einige bekannte Leute aus der Schweiz, unter anderem Stefanie Grob (Autorin, Slampoetin, Radiofrau), Dani von Wattenwyl (Telebasel) und Gabriel Vetter (Slampoet, Journalist, Radiosatiriker). Das Niveau war dementsprechend hoch, die anderen Texte sehr ausgereift.

Mit was für einem Text warst du dabei?

Eine Miniaturprosa, in der es um Eifersucht und eine Schwesternbeziehung geht. Eigentlich passiert in dem Text nicht viel. Die jüngere Schwester ist eifersüchtig auf die schöne und erfolgreiche ältere Schwester. Sie beobachtet die Ältere, wie sie vorn an der Reling steht, und sieht dabei nicht, wie unglücklich diese eigentlich ist. Ich habe dabei viel mit Rhythmus und Wiederholungen gearbeitet. (Text „Der Ostwind“.)

Es sind für mich mit Gateless Writing so viele Türen aufgegangen!

Sandra Engelbrecht

Wie ist diese Geschichte entstanden?

Ich hätte die Geschichte ohne deinen Impuls im Schreibsalon nie geschrieben. Erst habe ich mich dagegen gesträubt: „Über Haare schreiben? Wie blöd!“ Aber du machst das so super, ich komme beim Gateless Writing in eine Tiefe hinein. Mit deiner Musik komme ich wie auf eine eigene Frequenz und sehe Bilder vor mir. Dann war ich auf diesem Schiff und sah die Frau im blauen Kleid, ihre flatternden Haare, und ihre eifersüchtige Schwester … und dann habe ich einfach geschrieben. Natürlich habe ich den Text für den Wettbewerb mehrmals überarbeitet. Aber ohne deinen Schreibsalon wäre ich nie dorthin gekommen.

Der Wettbewerb hat für dich einige Türen geöffnet …

Ja, ein Regisseur hat mich nach der Lesung angesprochen, und jetzt mache ich als Co-Regisseurin bei einem Filmprojekt mit. Jemand vom Theater hat mich gefragt, ob ich in Zukunft bei ihnen einsteigen möchte. Und ich habe eine andere Autorin kennengelernt, mit der ich jetzt ein gemeinsames Buchprojekt plane. Das ist diese Vernetzung, die sich ergibt, wenn man mal auf der Bühne steht. Der Wettbewerb hat mir gezeigt, dass ich das kann, für mich ganz persönlich. Es sind für mich mit Gateless Writing so viele Türen aufgegangen!

Du schreibst ja schon länger mit Gateless Writing. Wie ging es dir am Anfang?

Autorin Sandra Engelbrecht

Vor vier Jahren fand ich meine Texte so schlecht, ich konnte damit nicht nach außen gehen. Ich habe mich schon im Vorfeld kritisiert und dann nichts aufs Papier gebracht. Als ich bei dir angefangen habe, merkte ich: „Wow, da kommen ja Texte raus, die mich überraschen.“

Beim ersten Schreibsalon musste ich erst die Hemmschwelle überwinden, einen Text vorzulesen, den ich gerade geschrieben habe. Doch dann habe ich gemerkt: Das ist eigentlich noch viel besser, denn ich kann mich ja dahinter verstecken, dass es ein Rohtext ist! Als die Rückmeldungen kamen, habe ich gemerkt: „Doch, der Text hat etwas. Das ist ein Anfang.“

Was gefällt dir an Gateless Writing?

Dass ich mich so entspanne durch die Musik kenne ich vom Meditieren. Ich komme auf eine tiefere Ebene und etwas geschieht dabei auch mit dem Gehirn. Gegen das Handschreiben habe ich mich erst gewehrt, aber es bekommt dadurch eine andere Qualität. Das Fiese ist: Man kann nicht korrigieren, man schreibt einfach, das finde ich so toll.

Wie geht es dir in den Feedback-Runden?

In den Feedback-Runden sind die unterschiedlichsten Menschen dabei, wie auch bei einer Lesung. Mit der Rückmeldung schule ich meinen Blick und höre in mich hinein: „Weshalb finde ich diesen Text gut?“ Es sind auch Texte dabei, die ich sonst nicht lesen würde, aber alle haben etwas, das mich fasziniert. Das bringt mich auch auf andere Ideen, auf meine Art mal etwas Ähnliches auszuprobieren. Die Vielfalt hat meinen Horizont geöffnet, ich habe angefangen, andere Arten von Büchern zu lesen und mehr über den Tellerrand zu schauen.

Mit der Rückmeldung schule ich meinen Blick und höre in mich hinein: „Weshalb finde ich diesen Text gut?“

Sandra Engelbrecht

Wie hat Gateless Writing dein Schreiben verändert?

Ich bin viel mutiger geworden und meine Selbstzweifel haben abgenommen. Das hat meinem Schreiben enorm gut getan. Jetzt experimentiere und spiele ich viel mehr. Ich überlege nicht mehr: „Was könnte den anderen gefallen?“, sondern ich schreibe so, wie ich schreibe. Ich habe meine eigene Qualität, und die hole ich hervor.

Mit dieser Art des Schreibens gehst du in dich hinein und kommst wirklich in die Tiefe.

Sandra Engelbrecht

Außerdem gehe ich jetzt anders an Schreibprojekte heran und lasse auch mal Musik laufen. Ich habe mir eine Spotify-Playlist zu unterschiedlichen Gefühlen erstellt, und damit komme ich in die Texte und Figuren rein. Diese kreativen Methoden sind so genial: Die Texte haben viel mehr Tiefe und Qualität, als wenn ich mir am Computer ein Gerüst mache und überlege, so sind die Figuren, und dann schreibe ich das. Natürlich brauchen wir Struktur, sonst haben wir einen zerfledderten Roman. Aber mit dieser Art des Schreibens gehst du in dich hinein und kommst wirklich in die Tiefe. Ich habe das Gefühl, dass wir sehr verkopft sind, und das ist tolles Werkzeug, um wieder zu unserer Intuition zu finden.

Würdest du sagen, dass Gateless Writing nur etwas für Anfänger:innen ist?

Überhaupt nicht! Es eignet sich für alle, weil wir so in die Tiefe kommen und neue Themen nach oben holen. Es melden sich ja immer Leute an, die Lust zum Schreiben haben, und wenn man Freude dabei hat, kommen tolle Texte raus. Man kann auch andere Arten von Texten mit hineinnehmen. Das muss nicht nur Prosa sein, sondern das kann ein Blog, eine Internetseite, oder ein Sachbuch sein. Denn dabei ist es ja auch wichtig, dass man eine kreative Note hineinbringt.

Das heißt, du wirst weiterhin im Schreibsalon mitschreiben?

Unbedingt. Bisher habe ich mit Gateless Writing vor allem Kurzgeschichten geschrieben. In Zukunft möchte ich deine Impulse stärker für meinen Roman nutzen, Figuren weiterentwickeln oder Orte ausarbeiten. Auch wenn ich diese Texte nachher nicht unbedingt im Roman unterbringe, kann ich ihm damit mehr Tiefe geben. Das Grundgerüst der Texte für meinen „Geschichtomaten“ würde ich ebenfalls in den Gateless Writing Salons erstellen.

Ich bin viel mutiger geworden und meine Selbstzweifel haben abgenommen.

Sandra Engelbrecht

Was ist dein liebster Schreibtipp?

Automatisches Schreiben, wie es André Breton und die Surrealisten praktiziert haben, finde ich sehr cool. Einfach als Warmschreiben vor dem Schreiben. Also: Ich schreibe erst einmal fünf oder zehn Minuten, dabei kommt alles raus, und dann beginne ich mit dem wirklichen Schreiben.

Auf Sandras Website findest du in Kürze ihren „Geschichtomaten“: Dort kannst du eine persönliche Kurzgeschichte oder ein Gedicht bestellen, auf Wunsch mit passender Collage. Das ideale Weihnachtsgeschenk! Per Mail schon jetzt bestellbar unter sandra@engelbrecht.li. Auf Instagram sandraengelbrecht.li bekommst du einen Eindruck von Sandras Texten und Collagen.

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