Warum ich schreibe

„Warum schreibst du (Romane)?“ Eine interessante Frage, die Meike Blatzheim in ihrer aktuellen Blogparade stellt. Sie hat mich motiviert, darüber nachzudenken, wie ich zum Schreiben gekommen bin und warum es mich schon mein ganzes Leben lang begleitet.

Schon als Kleinkind habe ich begeistert auf der alten Schreibmaschine meines Vaters herumgetippt. Zu meinem zehnten Geburtstag bekam ich dann ein Tagebuch aus blauem Blümchenstoff. Es hatte schneeweiße Seiten, die nur darauf warteten, von mir mit vorpubertären Gedanken und Gefühlen gefüllt zu werden. Das beste daran aber war: Es hatte ein Schloss, so dass niemand mir nachschnüffeln konnte! Das, was ich damit machte, würde man in meinen Kreisen heute „eine Schreibroutine entwickeln“ nennen. Seite um Seite füllte ich im „Freewriting“: Ich schrieb also einfach drauflos, schimpfte über den doofen Matheunterricht und schwärmte von dem frechen Nachbarsjungen.

Vom Fantasy-Spielbuch …

Und irgendwann schrieb ich den denkwürdigen Satz: „Wenn ich groß bin, will ich Schrifstellerin (sic!) werden.“ So, wie meine Lieblingsautor:innen Astrid Lindgren, Michael Ende und Christine Nöstlinger. Eine Leseratte war ich nämlich auch. Und so schrieb ich mit dreizehn meinen ersten „Roman“: Ein Fantasy-Abenteuer-Spielbuch mit dem Titel Der Herrscher der Finsternis. Kinder der Achtzigerjahre erinnern sich vielleicht: Das waren interaktive Bücher, bei denen man den Verlauf der Handlung u. a. durch Würfeln beeinflussen konnte. Der Hexenmeister vom flammenden Berg. Die Stadt der Diebe. Ich kannte sie alle. Mein eigenes Büchlein endete (für alle, denen das Würfelglück nicht hold war) ziemlich düster. Nicht nur meine Eltern haben es brav durchgespielt: Der Herrscher der Finsternis erschien auch als Sonderausgabe unserer Schülerzeitung. Sogar mit gruseligem Titelbild, gestaltet von einem Zeichentalent aus der Oberstufe.

Auch nach der Schulzeit habe ich nie aufgehört zu schreiben: Journalistisch, wissenschaftlich, kreativ, beruflich … Am liebsten war ich für die Lokalzeitung unterwegs, verfasste Konzert- und Theaterkritiken, und berichtete selbst von Firmenjubiläen mit einer Leidenschaft, über die ich heute schmunzeln muss. Im Sinologiestudium tauchte ich in fremde Welten ein, war fasziniert von anderen Schriften, Sprachen und Literaturen. Während meiner Doktorarbeit fand ich endlich heraus, dass ich am besten zwischen 22 Uhr und 2 Uhr schreiben konnte. In diesem Zeitfenster war ich besonders konzentriert und ideenreich. Ich genoss den nächtlichen Schreibflow und konnte tagsüber ohne schlechtes Gewissen Sex and the City bingen.

… zum heiteren China-Roman

Während meiner Berufsjahre im China-Business verbrachte ich viel Zeit in Taiwan, Japan und der VR China. Ich füllte Notizhefte mit skurrilen Erlebnissen und dachte: „Irgendwann machst du daraus mal ein Buch!“ Und so ging die Zeit dahin … Ich besuchte Schreibworkshops und veröffentlichte einige Kurzgeschichten, während im Hinterkopf die Idee zu einem Roman reifte. Dieser heitere Roman, der in Peking spielt, fordert mich nun schon seit zwei Jahren heraus. Ich durchlebe damit den Flow und die Euphorie, aber auch die Frustration und die Selbstzweifel, die wohl alle Schreibenden kennen. Warum bleibe ich trotzdem (mit kleinen Unterbrechungen) an diesem Projekt dran? Es macht mir ganz einfach Spaß, meine Figuren auf ihrem Weg durch die Geschichte zu begleiten. Sie entwickeln sich ständig weiter und gehören mittlerweile schon zu meinem Leben dazu. Als wären sie real. Vielleicht fällt es mir deshalb auch so schwer, ihre Geschichte zu beenden? Trotzdem: Irgendwann werde ich von ihnen Abschied nehmen und den Roman in die Welt entlassen. Aber ich bin froh, dass es dafür keine Deadline gibt …

Hat sich damit nun mein Kindheitstraum erfüllt? Darf ich mich schon „Schriftstellerin“ nennen, wenn ich mein Leben lang schreibe – auch wenn ich noch keinen Roman veröffentlicht habe? Den Titel eines writer im englischen Wortsinn habe ich mir damit immerhin schon verdient! Und ich bin Schreibtrainerin geworden. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

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