Kreatives Schreiben mit Listen

Einkaufslisten. To-do-Listen. Packlisten. Neujahrsvorsatz-Listen. Bücherlisten. Wunschlisten. Die meisten von uns schreiben diese Textsorte regelmäßig, ohne groß darüber nachzudenken. Dabei können Listen nicht nur als Gedächtnisstütze dienen: In ihnen steckt auch großes Potenzial für unser kreatives Schreiben!

Der Schriftsteller Ray Bradbury hat sich ständig Substantive auf einer Liste notiert. Wann immer er einen Schreibimpuls brauchte, hat er sich einen dieser Begriffe vorgenommen und einfach drauflos geschrieben. Aus einem solchen „Freewriting“ wurde oft eine spannende Geschichte. Wörter als Schreibimpulse zu sammeln ist immer eine gute Idee. Das müssen natürlich nicht nur Substantive sein. Du kannst auch Listen mit Verben und Adjektiven oder mit Zitaten anlegen. Wenn du nach einer neuen Idee suchst, kannst du spontan mit dem Finger darauf tippen und zehn Minuten zu dem Begriff schreiben. Oder du nimmst drei Wörter, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, und versuchst, sie alle in deinem Text unterzubringen.

Kennst du das Kopfkissenbuch von Sei Shōnagon? Die japanische Hofdame, die manche als „erste Bloggerin der Welt“ bezeichnen, legte darin schon vor über 1000 Jahren lustige Listen an. Einige Beispiele: „Worüber ich mich totärgern könnte“ (eine Mücke, die beim Einschlafen stört), „langweilige Dinge“ (starker Regen), „elegante Dinge“ (Enteneier) oder „was abstoßend wirkt“ (Katzenohren). Lass dich von der Hofdame inspirieren und erfinde eigene Listen mit solchen Dingen.

Listen für autobiographisches …

Listen eignen sich auch gut dazu, in eigene Erinnerungen einzutauchen. Du köntest dabei mit deiner Kindheit beginnen: Mit welchen Spielsachen oder Kuscheltieren hast du gern gespielt? Welche Kinderbücher hast du gelesen? Welche lustigen Momente gab es in deiner Schulzeit? Welche Bezugspersonen haben dich geprägt? Du kannst ein erstes Brainstorming machen, indem du zu jeder Frage so viele Stichpunkte notierst, wie dir in drei Minuten einfallen. Anschließend überlegst du dir, zu welchen Punkten du noch mehr schreiben möchtest.

Schreibcoach Natalie Goldberg empfiehlt uns auch, besonders jene Erinnerungen zu notieren, über die wir nicht schreiben wollen. Darin liegt tatsächlich viel Potenzial für intensive, persönliche Texte, aber es kann schmerzhaft sein. Wenn du dich dazu innerlich bereit fühlst, könntest du eine Liste anlegen zum Thema: „Woran ich mich nicht erinnern möchte.“

… und für kreatives Schreiben

Manchmal ist unser Kopf mit anderen Dingen so voll, dass wir uns nicht aufs Schreiben konzentrieren können. Dann kann es helfen, zunächst ein paar Minuten lang alles zu notieren, was uns ablenkt. Wenn wir unsere Gedanken in einer Liste „ausgelagert“ haben, können wir beruhigt kreativ sein: Wir haben sie für später gesichert und sie laufen uns nicht weg.

Grübelst du manchmal darüber nach, wie du in eine neue Geschichte einsteigen sollst? Dann sammele doch einfach erste Sätze. Vielleicht liest du in Büchern Sätze, die dir gefallen, oder du denkst dir selbst welche aus. Wenn du schon einen (vorläufigen) Anfang hast, findest du leichter den Einstieg in einen neuen Text. Rausschmeißen oder umformulieren kannst du den Satz später immer noch. Außerdem könntest du eine Liste mit gelungenen Titeln anlegen, auch wenn du die Geschichten dazu (noch) gar nicht kennst. Und hast du eigentlich schon Listen mit Namen oder Berufen für deine zukünftigen Figuren?

Wenn man sich dazu zwingt, möglichst viele Begriffe auf einer Liste zu sammeln, kurbelt das die Kreativität an und hält den Wortschatz aktiv. Notiere dir doch mal 100 Dinge, die du in diesem Jahr unbedingt machen möchtest, oder schreibe die 50 besten Schimpfwörter auf. Gib dir jeweils drei Minuten und liste so viele Pflanzennamen, Automarken oder Schattierungen der Farbe Rot auf, wie dir einfallen.

Falls du Lust auf „experimentelles“ Schreiben hast, könntest du auch eine Flash Fiction Story oder ein Gedicht in Listenform verfassen. Einige Autor:innen schreiben Kürzestgeschichten in Form von Einkaufslisten, und die Künstlerin Susann Körner hat direkt mit Kassenbons gedichtet. Echt originell. Was könnte man noch so alles mit Listen anstellen? Welche Listen möchtest du dir als nächstes anlegen? Schreib doch gleich mal … eine Liste dazu!

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2 Gedanken zu „Kreatives Schreiben mit Listen“

  1. Ich schreibe Aphorismen und verwende Worte, die mir gefallen, gerne so, dass sich eine sinnstiftende Wiedererkennung daraus ergibt. Dabei bin ich darauf gekommen, dass sich das Woxikon hervorragend eignet, um bei der Arbeit Inspiration zu bekommen.

    Aus meinen Versuchen einen schönen Aphorismus zu dichten ergibt sich schnell eine Liste aus Fehlschlägen und jetzt suche ich einfach nach Synonymen, welche dann wieder eine schönere Formulierung erleichtern.

    Demnach Liste ich eigentlich lediglich alle Fehlschläge auf und suche danach nach Alternativen, die mich zufrieden stellen.

    Dieses Zitat gefällt mir momentan besonders gut:
    Der Weg ist egal, das Ziel einerlei, was zählt ist ein reines Herz sonst reißt du es entzwei.

    Es gibt mir einen gewissen Zugang dazu, was mit Nächstenliebe eigentlich gemeint ist.

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