Bye-bye, böses Bürokratendeutsch!

In der Geschäftswelt halten sie sich hartnäckig: Bürokratendeutsch, Worthülsen und Schachtelsätze. Der Berufsalltag ist geprägt von Formulierungen wie „bezugnehmend auf“, „im Rahmen von“ und aufgeblähten Begriffen wie „Problemstellung“ und „Themenbereich“. Nicht zu vergessen all die Abkürzungen, Fachbegriffe und Anglizismen, die nur Eingeweihte verstehen. Viele scheinen noch immer zu glauben, dass eine komplizierte Schreibweise den Inhalt eines Textes – samt Verfasser:in – aufwertet.

Bevor sie publiziert werden, gehen Texte durch etliche Hände und Hierarchieebenen – was sie sprachlich selten verbessert. Oft drängt zusätzlich die Zeit. Sprachprofis predigen den guten Stil seit Jahrzehnten. Ich frage mich, wann es soweit sein wird, dass auch in der Geschäftswelt lockere, leserfreundliche Texte geschrieben werden…

Kreativ sein – keine Phrasen dreschen

Die Floskelhaftigkeit hat uns alle im Griff! Wer im Alltag ständig Schachtelsätze und leere Phrasen lesen muss und dann einen lebendigen Text schreiben möchte, tut sich oft schwer. Es ist, als müssten wir dazu einen inneren Schalter umlegen. Mir hilft es, den Text eine Weile liegen zu lassen und später mit frischem Blick wieder anzuschauen. In mehreren Durchgängen kann ich dann (hoffentlich) sperrige Formulierungen herausfiltern und durch gefälligere ersetzen.

Aber warum nicht vornherein einen beruflichen Text kreativer schreiben? „Kreativ schreiben“? Ich sehe förmlich, wie sich konservativen Firmenchefs die Nackenhaare aufstellen. Doch hier geht es nicht um Esoterik – sondern darum, zu lernen, wie man leserorientiert schreibt. Für Mitarbeiter:innen. Und damit: motivierend. Für Kund:innen. Und damit: verkaufsfördernd. Denn seien wir ehrlich: Niemand von uns quält sich gern durch aufgeblasene Bleiwüsten.

Zu kreativen Schreibtechniken gibt’s – unter anderem – Anregungen in meinen Workshops oder per Newsletter. Sie eignen sich für alle Textsorten. Zum Stil liefern Schreibprofis wie Wolf Schneider oder Doris Märtin hilfreiche Tipps. Wenn irgendwann nicht nur in Zeitungsredaktionen, sondern auch in Unternehmen auf jedem Schreibtisch Bücher wie „Deutsch für Profis“ oder „Erfolgreich texten“ liegen würden… würde das Bürokratendeutsch vielleicht sogar aussterben… Ein Traum!

Und hier ein erster kreativer Tipp: Einfach kurz innehalten – und dann drauflosschreiben. Den Timer auf zehn Minuten stellen und den Stift auf dem Papier (oder die Finger an der Tastatur) lassen. Nicht unterbrechen. Nicht korrigieren. Nicht zurücklesen. Bei diesem kreativen Prozess, in dem der „Rohtext“ entsteht, achten wir nicht auf Tippfehler und feilen nicht an Formulierungen. Es geht erstmal darum, frei das Textmaterial zu produzieren, mit dem wir weiterarbeiten können. Später werden wir redigieren und korrigieren. Dabei können uns Textverarbeitungs- und Korrekturprogramme, oder auch andere Personen helfen. Natürlich können wir – der eigenen Schreiblaune folgend – bei längeren Schreibprojekten immer wieder zwischen kreativeren und kritischeren Arbeitsschritten abwechseln. Aber wir sollten uns nicht damit blockieren, dass wir sie schon bei unserem ersten Entwurf vermischen.

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